ReVox G36:
Auch für viele, die bereits in den 1970-er Jahren den Wert eines damals angesagten Mopeds von Kreidler ober auch etwas mehr in Audio-Equipment investierten, sind die frühen ReVox-Maschinen lange vom Glanz der Modelle A77 bzw. B77 und nicht zu vergessen der A700 überstahlt worden – ganz zu unrecht!
Vielleicht lag es an der damals auch in dem Produktsegment der Bandmaschinen mit zweifelhaftem Erfolg betriebenen Strategie der Marketingabteilungen, die gute alte Röhrentechnik zu verdammen. Fakt ist, dass viele Hifi-Begeisterte der damaligen Zeit lange glaubten, die A77 sei das erste Tonbandgerät gewesen, dass bei ReVox das Licht der Audio-Welt erblickte. Jeder, der z.B. mit etwas Hilfe des wunderschönen Buches „Die sprechenden Maschinen“ (siehe: Büchertipps) die Geschichte der Firma Studer/ReVox quasi im Rückspulen erlebt, weiß es besser: Das Ganze begann viel, viel früher!


Die ReVox G36 war von 1963 bis 1967 der Abschluss und gleichzeitig der Höhepunkt der Serie 36, die in den frühen 1950-ger Jahren ihren Ursprung hat. Ein Blick auf das zeitlose Design dieser Maschine zeigt, was man unter praxisgerechter Auslegung aller Bedienelemente zu verstehen hat. Zwar war die nachfolgende A77 – zumindest ab der MKII Version - etwas schicker gestylt (die spätere B77 soll in diesem Zusammenhang bewusst unerwähnt bleiben). Aber das Understatement der G36 bleibt ungeschlagen. Einzig die etwas rustikale Holzkiste, in der die Maschine verschraubt war, muss man sich einfach wegdenken – oder abschrauben.


Dabei eröffnet sich der Blick auf die im wahrten Sinne des Wortes „inneren Werte“ der Maschine erst nach Demontage der Rückwand. Was dann zum Vorschein kommt, ist Röhrenschaltungsarchitektur vom Feinsten! Die Ingenieure, die sich den Aufbau dieser Schaltung ausgedacht haben, gebührt noch heute unsere höchste Anerkennung. Dagegen wirkt doch ein auch noch so gut gemachter Röhrenverstärker in freier Verdrahtung egal welchen Baujahrs und Herkunft eher simpel – oder?




Und was das Schönste ist: Die G36 ist noch heute uneingeschränkt alltagstauglich – und wie!!
Dank der „alten“ Tonköpfe aus dem damaligen Profilager steigt eine gut eingestellte G36 bis in allerhöchste Frequenzregionen - ganz ohne Sauerstoff - und das mit einer Höhendynamik, die selbst eine sehr gute A77 blass aussehen lässt! Der kräftige Synchronmotor sorgt für konstante Bandgeschwindigkeit und der Bandwickel, der sich während einem Wiedergabedurchlauf langsam aufbaut, ist so glatt, dass man am Ende glaubt, die Spule samt Band sei gerade aus der Verpackung genommen worden. Wenn man dann das durchgelaufene Band zurückspult bangt man kurzzeitig um das ganze Gerät, das mühelos bis zur aberwitzigen Höchstgeschwindigkeit beschleunigt. Auch bei der heftigsten Umdrehungszahl der Bandteller rasselt oder rappelt nichts. Die Maschine spult mit stoischer Ruhe und unbändiger Kraft. Einzig die Zahnräder des mechanischen Zählwerks rattern mit steigender Frequenz und die Umgebungsluft vibriert. Unmittelbar nach Erreichen des Bandendes schaltet die damals erstmals verbaute fotoelektrische Lichtschranke mit einem satten Relais-Klacken ganz lässig den Wickelmotor ab und die Maschine wartet geduldig auf weitere Befehle wie ein Holzrückepferd im verschneiten Winterwald.
Wer heute eine G36 in gutem Zustand besitzt, kann stolz sein. Eine schönere Symbiose aus präziser Mechanik gepaart mit guter alter Röhrentechnik ist nur schwer zu finden – weltweit!
ReVox A77:






Revox A77 Dolby:


