Marantz 2270:
Receiver – noch so eine schöne Produktgruppe aus der guten alten Audio-Zeit. Es gab damals viele Geräte dieser Art. Sie waren häufig das Zentrum einer guten Anlage als auch das Radio noch eine feste Größe unter den verschiedenen Programmquellen war. Neben den üblichen Verdächtigen wie Pioneer, Kenwood, Sansui etc. war Marantz einer der angesagten Hersteller dieser Zeit mit einer beeindruckenden Produktfamilie. Es gab kleinere Modelle und richtige Dickschiffe mit allen erdenklichen Features wie z.B.: Dolby-FM oder auch Quadrofonie-Verstärkermodulen.




Das Design des Modells 2270 ist im Vergleich dazu eher von Understatement geprägt, hat jedoch immer noch beeindruckend viele Knöpfe zu bieten. Diese sind in Funktionsgruppen zusammengefasst und schön symmetrisch unterhalb der in sattem blau schimmernden Senderskala auf der Frontplatte verteilt. Dort finden sich auch die damals obligatorischen Zeigerinstrumente für die Feldstärke der jeweils eingestellten Sender incl. Mehrwegeempfangsanzeige (Multipath) samt Radiomitteninstrument. Ganz rechts ist der Senderwahlknopf angebracht, der - wie bei Marantz bis heute (!) üblich - vertikal und nicht horizontal gelagert ist. Beim Berühren bzw. Loslassen dieses Knopfes oder besser Drehrades wird die von Marantz als sog. Gyro-Touch getaufte Funktion aktiviert, die man normalerweise als AFC (in korrektem Ingenieur-Deutsch: automatische Frequenzscharfeinstellung) bei UKW-Empfang bezeichnet.


Abgerundet wird das zeitlose Design der 2270-Frontpartie durch die üblichen Knöpfe für die Wahl der Signalquellen, Balance und Volumen für die Lautstärke sowie die nicht ganz so übliche Aufteilung der Klangregler in Bässe, Höhen UND Mitten – satt einrastend versteht sich! Nicht zu vergessen die damals quasi zur Pflichtausstattung eines jeden Edel-Receivers gehörende Umschalt- und gegenseitige Überspielmöglichkeit für zwei Tonbandmaschinen incl. der einfach zugänglichen Klinkenbuchsen für das Tape-Dubbing auf der Front. Und damit sich der Schallplattenfan nicht benachteiligt fühlen musste, gab es natürlich auch noch Anschlüsse für zwei Plattenspieler! Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass sich auf der Rückseite des Gerätes die Mutingschwelle für den UKW-Empfang über ein Poti stufenlos einstellen ließ sowie die Vorstufensektion durch das Entfernen von zwei Kurzschlussbügeln von der Endstufen getrennt werden konnte, um z.B. das damals beliebte Einschleifen eines Equalizers zu ermöglichen.
Dieses kalorienreiche Anschlussmenu hatte natürlich auch seinen Preis: Der Marantz 2270 kostete weiland 1974 schlappe 2800 DM!!!! Da sind doch ein paar Hundert Euronen, die man heute für ein gut erhaltenes Gebrauchtmodell hinblättern muss, ein Witz – oder?

SABA 9241 digital:
Wer in den späten siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts glaubte, dass deutsche Hersteller sich der erdrückenden Übermacht der fernöstlichen Anbieter kampflos geschlagen geben würden, der hatte die Rechnung u.a. ohne die Traditionsfirma SABA aus dem Schwarzwald gemacht.
Schon in der Ära der guten alten Dampfradios war SABA immer mit neuester Technik auf den vordersten Plätzen des Marktangebots vertreten. Unvergessen bleibt mir die Begegnung mit einem SABA-Radio Baujahr 1958 mit Stereodekoder und Sendersuchlauf. Zu allem Überfluss ließen sich die wesentlichen Funktionen wie Lautstärke und Sendersuchlauf auch über eine Kabelfernbedienung steuern!! Allein das Getriebe, das das Lautstärkepoti in Bewegung setzte würde noch heute jedem Feinwerktechniker Freudentränen über die vor Aufregung geröteten Wangen laufen lassen. Legendär sind auch die jeweiligen Spitzenmodelle mit Namen wie Freiburg, Meersburg etc., die auch in den bereits transitorisierten Zeiten der 1960-iger Jahre Maßstäbe setzten. Und allein bei der Nennung der berühmten SABA-Greencone Breitbänder bekommen Anhänger der gleichnamigen Fraktion noch immer nicht nur feuchte Hände…………..
Hier soll es aber quasi um das letzte Gefecht in Sachen deutscher Hifi-Receivergeschichte gehen, bei dem Saba nochmal in einem verzweifelten Versuch alles in die hifidele Waagschale warf, was es zu bieten hatte. Hatte sich der geneigte Hifi-Jünger der damaligen Zeit bereits fast vollständig dem Diktat der fernöstlichen Audio-Schmieden unterworfen, verwunderte das Erscheinen der SABA-Receiver der Baureihe 9240/41 nicht wenige der Branche. Was das Modell 9241 digital in einem monumentalen vom üblichen Rastermaß weit entfernten massiven Metallgehäuse mit Spaltmaßen, die einen jeden Entwicklungsingenieur bei VW vor Neid erblassen lassen würde, dem Kunden an praller Ausstattung zur Verfügung stellte, war wie man heute sagen würde „echt geil“!




Anschlussmöglichkeiten für externe Geräte gab es in Hülle und Fülle. Die gehörrichtige Lautstärkeregelung – zu gut Deutsch: Loundness – ließ sich in mehreren Stufen der Empfindlichkeit der jeweils angeschlossenen Lautsprecher, von denen selbstverständlich zwei Paare anschließbar waren, anpassen – plus ein zusätzliches Paar für den damals marketingtechnisch so wichtigen Quadro-Sound. Zwei Kopfhöreranschlussbuchsen waren zusätzlich auf der Frontpartie zu finden. Alle Funktionstasten waren als Tipptasten ausgelegt, deren Funktion durch das Leuchten einer jeweils direkt darüber angebrachten roten LED bestätigt wurde. Neben Tastern für diverse Filterfunktionen (Rauschen/Rumpeln/Präsenz), findet man die Quellenumschaltung für FM und AM sowie Eingänge für Phono, Aux und 2x Tape incl. separater Monitor-Funktion! Alle Regler für Bässe, Höhen, Balance und Laustärke hatten eine sanfte aber zuverlässige Rasterung.
Während der Verstärkerteil gute Mittelklasse war, konnte das UKW-Frontend mit einer Reihe von exquisiten Daten hinsichtlich Empfindlichkeit, Trennschärfe und Kanaltrennung aufwarten, die praktisch die ganze japanische Konkurrenz ziemlich alt aussehen ließ und das nicht nur aber in besonderem Maße bei Verwendung einer damals angesagten UKW-Richtantenne mit fünf oder mehr Elementen und Rotorsteuerung von Stolle oder Wisi! Die Einstellung der Sender erfolgt über einen großen Senderdrehknopf, dessen Schwungmasse das Wandern auf der Skala noch heute zum Genuss macht. Und dass die Frequenz der empfangenen Sender nicht nur über eine ausgesprochen exakte analoge Skala sondern auch noch über eine präzise, mehrstellige Digitalanzeige angezeigt wurden, ließ damals nicht nur den guten alten Karl Breh von der Zeitschrift Hifi Stereophonie aus dem sonst so sachlich gepflegten Häuschen geraten.
Ja und ob Sie es glauben oder nicht: Noch heute ist das Lauschen einer guten Direktübertragung auf UKW mit dem SABA 9241 digital ein echtes Erlebnis!