McIntosh MA230:

OK, die Puristen unter Ihnen werden abwinken: Das ist ja kein „richtiger“ Röhrenverstärker. Stimmt, die Vorstufe war ein früher Versuch der McIntosh-Ingenieure nach einem Sonnenbad am Silizium-Strand – das Teil ist aber trotzdem gut! Der Verstärker hat alles, was ein Gerät dieser Traditionsmarke zu Beginn der 1960-er Jahre ausmachte: z.B. die tolle Glasfront mit den schicken Schaltern und Drehknöpfen – diejenigen für Bässe und Höhen sind selbstverständlich kanalgetrennt ausgelegt!
Besondere Erwähnung verdient der Mode-Selektor, der praktisch alle Permutationen von Umschaltungen zwischen L und R samt L+R und L-R und noch viel mehr ermöglicht. – wenn man es denn benötigt. Zusätzlich sind die üblichen Filter (Low/High-Cut) schaltbar und zu allem Überfluss findet man auch noch eine Umschaltmöglichkeit für die Kennlinie des Phonovorverstärkers. Es steht nicht nur die übliche RIAA-Kennlinie sondern auch noch eine Entzerrung für frühe Mono-Aufnahmen der 1950-er Jahre zur Verfügung. Ein zusätzlicher Eingang für Tape-HD gibt dem gemeinen Hifi-Jünger zunächst Rätsel auf und entpuppt sich nach Studium der (sehr ausführlichen) Bedienungsanleitung als Anschluss für ein Tonbandberät ohne eigenen Wiedergabeverstärker!
Wem das alles noch nicht genug ist, der findet noch einen Schalter zum Umschalten der Phase im linken Kanal sowie Buchsen für zwei Kopfhörern samt Taste zum Abschalten der Lautsprecher.



Auf der Rückseite findet man die diversen Anschussmöglichkeiten für zwei Plattenspieler, Tuner, Tape und Aux und eine spezielle Pre-Out Buchse für ein L+R-Summen/Mono-Signal. Da kann man heute prima einen aktiven Subwoofer dranhängen oder Sie experimentieren mal mit einem Drei-Kanal Set-Up mit einem Monosignal über einen Centerlautsprecher. Dafür nutzen Sie einfach einen Kanal eines ggf. überzähligen Verstärkers, der sicher noch irgendwo im Regal steht mit einem Lautsprecher und plazieren diesen mittig zwischen die beiden Hauptlautsprecher……………
Die mac-typischen Lautsprecherklemmen bieten Anzapfungen am Ausgangsübertrager der Röhrenendstufe für 4, 8 und 16 Ohm!
Obligatorisch waren damals auch die zusätzlichen Buchsen für die Spannungsversorgung weiterer Geräte, wie Plattenspieler und Tonbandmaschine. Der MA230 hat dazu drei Anschlüsse, wovon zwei über den Hauptschalter des Gerätes ein- bzw. ausgeschaltet werden können.
Fällt Ihnen noch irgendein Feature oder Anschlussmöglichkeit ein, die das Gerät noch zusätzlich haben sollte – mir nicht! Und bedenken Sie dabei: Das Gerät stammt aus der Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts………………………




Quad 44:

Quad war immer different und stand nach eigener Darstellung for the closest Approach to the original Sound! Das kann man in dem liebevoll vom britischen Hifi-Journalisten Ken Kessler geschriebenen Buch (siehe: Büchertipps!) nachlesen.

Der Quad 44 war quasi der letzte Mohikaner der alten Baureihen und beinhaltete alle Features, die für die etwas schräge Design-Philosophie von Quad in den 1960- und 1970-er Jahren stand. Nicht nur der etwas eigenwillige Formfaktor des Gehäuses stemmte sich damals gegen den 45cm-Mainstream der meisten Audio-Anbieter am Markt. Auch von der traditionell eigenwilligen Farbgebung wollen wir besser nicht reden. Das Gerät war entgegen üblichen Konzepten des Mitbewerbs komplett in Modulbauweise konzipiert. Jeder Eingang besaß einen eigenen Einschub auf der Rückseite. Es standen die unterschiedlichsten Steckkarten für Tape, Tuner, Aux sowie Phono-MM und Phono-MC zur Verfügung. Und damit der Kunde nie im Unklaren darüber war, welchen Einschub er seiner Vorstufe gerade gönnte, gab es zu den jeweiligen Modulen auch noch kleine gelbe Kunststoffkappen mit dem korrekten Aufdruck der Funktion, die man auf die entsprechenden Frontknöpfe aufsetzen konnte – most closely to the approach of easy using!



Aber damit nicht genug! Über eine Plexiglasluke in der Oberseite des Chassis konnte der Kunde in die Abteilung „Eingangsempfindlichkeit“, „Ausgangsspannung“ etc. hinabsteigen und so das Gerät in allen Belangen den auch damals schon sehr unterschiedlichen Werten der Quellgeräte anpassen. Auch diese doch sehr nützlichen Features suchte man bei der Konkurrenz vergeblich – und das gilt (leider) für viele Geräte heute noch immer!



Eigentlich wären die oben beschriebenen Funktionen mehr als ausreichend für das „HiFi-Kuriositätenkabinett“. Aber bei Quad hatte man den Kanal immer noch nicht voll! Es musste quasi aus Traditionsgründen auch noch die berühmt, berüchtigte Quad-Klangregelungsmaschinerie verbaut werden. Die Beschreibung dieser Funktionen würde hier zu weit führen (siehe auch die Beschreibung des Quad 33 an anderer Stelle der Oldies-Abteilung). Die Möglichkeiten dieser Regler orientierte sich mal wieder an den wirklichen Bedürfnissen des Kunden (Surprise, Surprise….) und ermöglichte subtile Anpassungen an die Raumakustik, die im Manual so ausführlich erklärt wurden, dass sie auch ein durchschnittlich begabter Kunde verstehen konnte. Gleichzeitig wurde dem Benutzer so vor Augen oder besser vor Ohren geführt, welchen leider meist sehr negativen Einfluss sein Hörraum auf die die schönen Klänge seiner teuren Hifi-Anlage haben konnte und meist hat – die Physik ist halt überall! Na ja, und für die beratungsresistenten User gab es noch den audiophilen Cancel-Schalter.



Alles in Allem war der Quad 44 in vielen Belangen seiner Zeit sehr weit hinaus und für die meisten Anbieter, die heute auf dem Markt sind, ist diese Zeit erstaunlicherweise sogar noch immer nicht angebrochen! OK, wir wollen nicht allzu verklärt in die Vergangenheit blicken: Die maximale Klangperformance brachte der Quad vielleicht nicht. Aber er war in jedem Fall ein Fels in der Brandung im Meer der Durchschnittlichkeit und dafür gebührt seinen damaligen Schöpfern noch heute unsere Anerkennung!
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